Kumulative Dissertation Meaning

Monographische Dissertation

Eine monographische Dissertation umfasst eine schriftliche Promotionsleistung, die weder mit früher abgefassten Abschlussarbeiten noch mit bereits veröffentlichten Abhandlungen identisch sein darf. Eine Vorveröffentlichung von Teilen der als Dissertation vorgesehenen Arbeit ist unter Angabe dieser Tatsache zulässig, wobei beachtet werden muss, dass vertragliche Vereinbarungen mit dem Herausgeber einer Veröffentlichung im Promotionsverfahren nicht entgegenstehen.

Kumulative Dissertation

Die kumulative Promotion ist ein Verfahren, bei welchem eine Reihe an in einschlägigen wissenschaftlichen Fachzeitschriften publizierte oder zur Publikation angenommene Aufsätzen als schriftliche Promotionsleistung anstelle einer Dissertation eingereicht werden. Die genaue Mindestanzahl der notwendigen Publikationen sowie weitere Kriterien für eine vorschriftsgemäße kumulative Promotion sind von Fakultät zu Fakultät unterschiedlich geregelt.

An der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, der Technischen Fakultät, sowie der Philosophischen Fakultät im Fachbereich Theologie ist eine kumulative Dissertation – und somit auch eine kumulative Promotion – ausgeschlossen.

Philosophische Fakultät

Eine kumulative Promotion an der Philosophischen Fakultät ist in den Promotionsfächern Psychologie, Psychogerontologie, Pädagogik und Sportwissenschaft zulässig. Sie setzt mindestens drei in hochrangigen wissenschaftlichen Fachzeitschriften publizierte oder zur Publikation angenommene Aufsätze voraus, wobei mindestens eine der Publikationen in Erstautorenschaft verfasst sein muss. Zusätzlich ist eine Darstellung von ca. 30 Seiten Mindestumfang einzureichen, die den thematischen Zusammenhang der publizierten Schriften erläutern und in einen größeren fachwissenschaftlichen Kontext einordnen.

Medizinische Fakultät

Eine kumulative Promotion an der Medizinischen Fakultät setzt mindestens zwei Publikationen oder zur Publikation angenommene Arbeiten in hochrangigen wissenschaftlichen Fachzeitschriften in Erstautorenschaft voraus. Die in einer kumulativen Dissertation zusammengefassten Arbeiten müssen in der im Publikationsorgan veröffentlichten Version als Bestandteil einer Dissertationsschrift gekennzeichnet sein. Weiterhin muss der thematische Zusammenhang der publizierten Schriften dargelegt werden.

Naturwissenschaftliche Fakultät

Eine kumulative Promotion an der Naturwissenschaftlichen Fakultät ist unter Absprache mit der Betreuerin/dem Betreuer zulässig. Hierbei muss mindestens eine der Publikationen in Erst- oder Hauptautorenschaft verfasst sein. Bei Beiträgen, die in Mitautorenschaft entstanden sind, muss die Urheberschaft der jeweiligen Autoren an den einzelnen Teilen der Publikation klar nachvollziehbar sein und von der Promovendin/dem Promovenden sowie den Mitautorinnen und/oder Mitautoren schriftlich bestätigt werden. Zusätzlich ist eine Darstellung von ca. 25 Seiten Umfang einzureichen, die den thematischen Zusammenhang der publizierten Schriften erläutern und in einen größeren fachwissenschaftlichen Kontext einordnen.

Eine kumulative Dissertation (auch als Sammeldissertation bezeichnet)[1] bezeichnet eine Art der Dissertation, die durch mehrere Veröffentlichungen in Fachzeitschriften zur Promotion führt.

Abgrenzung zur monografischen Dissertation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu einer im deutschsprachigen Raum üblichen Monografie als Promotionsleistung werden auch dort zunehmend die aus anderen Ländern bekannten kumulativen Dissertationen zugelassen. Hierbei reicht der Doktorand statt der Monografie eine Anzahl von Veröffentlichungen in Fachzeitschriften ein. Es gibt im deutschsprachigen Raum noch keinen Quasistandard dafür, welche Veröffentlichungen zur Einreichung zu zählen sind. Denkbar sind beispielsweise Modelle, bei denen entweder eine Veröffentlichung in einem A-Journal (= in einer Zeitschriftenbewertung somit als inhaltlich für die Disziplin sehr relevant und methodisch sehr rigoros eingestuft), zwei in einem B-Journal oder drei in einem C-Journal zur Einreichung geeignet sind oder Modelle, bei denen die Prüfungskommission entscheidet, welche Veröffentlichungen zur Promotion ausreichend sind. Bei letzterem Modell kommt der Doktormutter bzw. dem Doktorvater wie schon bei der Monografie die entscheidende Rolle zu. Um sowohl die fachliche Breite als auch Tiefe nachzuweisen, wird oftmals gefordert, dass mindestens eine Veröffentlichung globalen und einen speziellen Charakter hat. Es gibt jedoch auch Modelle, die fordern, dass alle Artikel thematisch unmittelbar zusammenhängen, um Expertise in diesem Gebiet nachzuweisen.

Vorteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kumulative Dissertation wird nicht nur von den Gutachtern des Promotionsverfahrens beurteilt, sondern inhaltlich auch in einem unabhängigen Verfahren, etwa im Peer-Review-Prozess anerkannter Fachzeitschriften. Dadurch erhalten die Forschungsergebnisse auch ein größeres Publikum verglichen mit vielen herkömmlichen Monografien, die bislang in nur wenigen Bibliotheken zugänglich waren, solange sie nicht gesondert als Buch in einem Verlag publiziert wurden. Der Qualitätsanspruch dieser Veröffentlichungen entspricht damit international gültigen Konventionen. Diese Vorteile spielen vor allem in Fächern wie den Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie der Medizin eine Rolle, wo Forschungsergebnisse fast nur in Fachzeitschriften und nicht in Buchform veröffentlicht werden. Weitere Vorteile liegen im Zeitgewinn sowohl bei der Abfassung, als auch bei der Begutachtung einer kumulativen Dissertation.

Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Problem für den Doktoranden ergibt sich durch die Schwierigkeit, die Zeit bis zur Veröffentlichung abzuschätzen, wodurch die Karriereplanung erschwert ist. Es ist bei einer herkömmlichen Monografie viel einfacher, das Ende des Verfahrens abzuschätzen. Dem wird entgegengetreten, indem die Veröffentlichung in der Fachzeitschrift nicht zum Kriterium für die Promotion erhoben wird. So können bereits Artikel, die von der Promotionskommission als vergleichbar mit Veröffentlichungen in internationalen Fachzeitschriften eingestuft werden und solche, die sich noch im Begutachtungsverfahren der Fachzeitschrift befinden, als Teilleistung für die Promotion gelten.

Ein weiteres Problem ist die Vergleichbarkeit kumulativer Promotionen, weil in den meisten Promotionsordnungen weder die Anzahl der benötigten Publikationen noch die Qualität der Fachzeitschriften, in denen veröffentlicht wird, oder der notwendige Anteil des Promovenden bei Publikationen mit mehreren Autoren klar festgelegt ist. Das gilt auch für Monographien, sodass zwischen Universitäten und Fachbereichen schwankende Anforderungen an eine Dissertation gelten.

Fazit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verfahren kann im Vergleich zum herkömmlichen einen internationalen Standard insofern einführen, als die Veröffentlichung in internationalen fachrezensierten (peer-reviewed) Zeitschriften zum Standard in einer Disziplin gehören - wo wissenschaftlicher Erkenntnisfortschritt vorrangig über Zeitschriften läuft, kann es für die wissenschaftliche Karriere sinnvoll sein, sich schon im Rahmen der Promotion in dieses Spiel einzubringen. Der Peer-Review führt dabei im Idealfall mit einer unabhängigen Peer-Meinung eine weitere (internationale) Bewertung ein; ob die dann wissenschaftlichen Kriterien verpflichtet ist - denen immerhin auch die Promotionsordnungen Folge zu leisten vorgeben -, kann man wohl nur im Einzelfall abschätzen. Rein rechnerisch erhöht das Verfahren die Anzahl der Publikationen an einem Universitätsinstitut, was dessen Mittelzuweisungen beeinflussen kann. Eine zusätzliche methodische Präzision ist mit einer kumulativen Promotion nicht zwingend verbunden. Qualitätsmäßig sind geschriebene Aufsätze mit unterbliebenen Monographien schwer gleichzusetzen. Idealerweise können kumulativ Promovierte ihren wissenschaftlichen Ruf mit dem der Fachzeitschriften beeinflussen, in denen ihre Artikel veröffentlicht wurden; den per Monographie Promovierenden bleibt dafür nur eine Chance. Allerdings wird man wohl sagen dürfen, dass, wer ernsthaft wissenschaftliche Karriereziele verfolgt, nicht bis zur Veröffentlichung der Monographie wartet, sondern schon im Laufe der Arbeit verschiedene Bausteine davon an geeigneter, wo möglich fachrezensierter Stelle platziert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Steffen Stock, Patricia Schneider, Elisabeth Peper, Eva Molitor (Hrsg.): Erfolgreich promovieren: ein Ratgeber von Promovierten für Promovierende, [THESIS - Interdisziplinäres Netzwerk für Promovierende und Promovierte e.V.]. 3., wesentlich überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer Gabler, Berlin / Heidelberg 2014, S. 41f, ISBN 978-3-642-41662-0.
  • Gerhard Wiegleb: Die kumulative Dissertation, in: Aus Forschung und Lehre, Juni 2013 (academics.at).

Beispiele von kumulativen Online-Dissertationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Volltext - online - kostenfrei)
  • Florian Krick: Lehrpläne zwischen Offenheit und Verbindlichkeit: zur Standardisierung pädagogischer Qualität im Sportunterricht Frankfurt am Main 2007, DNB 98497931X ([Kumulative] Dissertation Universität Frankfurt am Main 2007, enthält 3 Sonderabdrucke aus verschiedenen Zeitschriften und Publikationen Volltext kostenfrei PDF, kostenfrei, 96 Seiten, 1,4 MB).
  • Christopher Kofahl: Determinanten der Belastung, Entlastung und Lebensqualität betreuender Angehöriger älterer Menschen, Hamburg, 2010, DNB 1007390115 (Kumulative Dissertation zur Erlangung der Würde des Dr. phil. am Fachbereich Psychologie der Universität Hamburg 2010, 308 Seiten Volltext online PDF, kostenfrei 308 Seiten, 11 MB).
  • Jan Snagowski: Cybersex addiction: Conditioning processes and implicit cognition. Universitätsbibliothek Duisburg-Essen, Duisburg / Essen 2016, DNB 1098130561 (Kumulative Dissertation Universität Duisburg-Essen 2016, 156 Seiten, Betreuer: Matthias Brand, Volltext online PDF, kostenfrei, 156 Seiten, 2 MB, englisch).
  • Thomas Wöhner: Lösungskonzepte für Qualitätsprobleme in der Wikipedia, Halle 2013, (Kumulative Dissertation Universität Halle (Saale) 7. Mai 2013, Referenten Stefan Sackmann und Ralf Peter, Inhaltsverzeichnis (PDF), mit 5 Zeitschriftenbeiträgen).

Offline[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Florian Wittmann: Kumulative Dissertation. [Mannheim] 2005, DNB 985658673, (Kumulative Dissertation an der Universität Mannheim 2005, 42 Seiten, enthält 3 Sonderabdrucke aus verschiedenen Zeitschriften, englisch, Biowissenschaften, Biologie, Landwirtschaft, Veterinärmedizin, siehe auch WorlCat: OCLC197883315)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kumulative Dissertation - Doktor auf Raten, DIE ZEIT, 11. Oktober 2007, Nr. 42.
  • Büro der Studienpräses: Leitfaden für kumulative Dissertationen - Universität Wien (PDF, kostenfrei, 4 Seiten, 125 KB).
  • Beispiel einer kumulativen Online-Dissertation im Bestand DNB (Katharina Gries: Synthese und Charakterisierung neuartiger Hybridmaterialien aus Polymer-geschützten Goldnanopartikeln, Magdeburg 2012, PDF, kostenfrei, 56 Seiten, 1,7 MB, enthält 9 Sonderabdrücke aus verschiedenen Zeitschriften. Beiträge teilweise deutsch, teilweise englisch).
  • Ortwin Greis: Ein Beitrag zur Strukturchemie der Selten-Erd-Trifluoride Beispiel einer kumulativen Dissertation an der Universität Freiburg im Breisgau 1976, bestehend aus 5 Sonderdrücken aus wissenschaftlichen Zeitschriften, Details nicht erwähnt, siehe auch in WorldCat: OCLC311941864
  • Allgemeine Informationen zu den Abschlussarbeiten: Die Einreichung einer Dissertation in Form von Artikeln für wissenschaftliche Fachzeitschriften („kumulative Dissertation“) ist nicht möglich Universität Salzburg 15. September 2016.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ↑Stock, Schneider, Peper, Molitor (Hrsg.): Erfolgreich Promovieren, 2009, 2. Auflage, Springer Verlag, S. 40.

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